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Der Begriff „Alltagsrassismus“ thematisiert das Zusammenwirken von individuellen Handlungen und gesellschaftlich-kulturellem Rassismus. Alltagsrassismus zeigt sich, wenn sich ein rassistisches Wissen über kulturell verankerte Zugehörigkeitsordnungen, Bilder und Vorstellungen unbewusst und/oder unbeabsichtigt, z. B. in vermeintlich neutralen, positiven, oder neugierigen Fragen, Aussagen, Gesten, Handlungen und Blicken niederschlägt. Erstens ist
also das Nebeneinander von „süßen und bitteren Worten“ für Alltagsrassismus charakteristisch. Es verschleiert seine Gewaltförmigkeit. Diese liegt zweitens darin begründet, das Alltagsrassismen rassistisch diskreditierbare Menschen implizit aus dem „wir“ ausweisen, indem sie anhand rassifizierter Merkmale (Aussehen, Sprache, Namen usw.) unabhängig von ihren individuellen Erfahrungen und Identifikationen als „Andere“ identifiziert und behandelt werden, z. B. durch übergriffige Handlungen, wie das Berühren der Haare, oder durch Komplimente für Deutschkenntnisse. Drittens ist Alltagsrassismus durch seine Regelmäßigkeit gekennzeichnet. Er erschüttert so permanent das Selbstbild der negativ Betroffenen; eine Erfahrung, deren Schwere häufig noch dadurch verstärkt wird, dass ihnen abgesprochen wird, Rassismus erfahren zu haben.

Diese Definition wurde 2022 im Projekt DisKursLab. Labor für antisemitismus- und rassismuskritische Bildung & Praxis der Evangelischen Akademie zu Berlin erarbeitet.

Antisemitismus meint die Feindschaft gegen Juden als Juden. Die artikulierte Ablehnung hängt mit der angeblichen oder tatsächlichen jüdischen Herkunft eines Individuums oder einer Gruppe zusammen, kann sich aber auch auf Israel beziehen, das als jüdischer Staat verstanden wird. Antisemitismus kann sich unterschiedlich artikulieren (als latente Einstellung, verbalisierte Diffamierung, politische Forderung, diskriminierendes Verhalten, personelle Verfolgung oder existenzielle Vernichtung) und in verschiedenen Begründungsformen auftreten (religiös, sozial, politisch, nationalistisch, rassistisch, sekundär und antizionistisch). Im Mittelalter dominierende Vorwürfe wie Brunnenvergiftung oder Herrschaftswahn wurden im Zuge der zunehmenden Säkularisierung beispielsweise von Mythen eines „jüdischen Einflusses“ oder einer „jüdischen Weltverschwörung“ abgelöst. Unter sekundärem Antisemitismus versteht man eine „neue“ Variante der Judenfeindlichkeit, die im deutschsprachigen Raum auch als Abwehrantisemitismus bezeichnet wird und sich auch in der Mitte der Gesellschaft findet. Sie ergibt sich aus dem Bedürfnis einer Schuldabwehr und zeigt sich beispielsweise in
einer Verharmlosung der NS-Verbrechen, der Forderung nach einem „Schlussstrich“ unter die Vergangenheit oder im Vorwurf, die Erinnerung an den Holocaust diene den Juden zur Erpressung finanzieller Mittel.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 13

Autoritarismus meint in der Sozialpsychologie eine antidemokratische und antipluralistische Einstellung, die feste Hierarchien und pauschalen Gehorsam bejaht. Der Begriff wurde maßgeblich durch den Soziologen Theodor W. Adorno und das von ihm mitverfasste Buch Die Autoritäre Persönlichkeit geprägt. Eine solche ist demnach dominant und unterwürfig zugleich: Einerseits fordert sie eine strikte Unterordnung unter Ranghöhere, andererseits herrscht und unterdrückt sie selbst gern und verhält sich gegenüber Schwächeren oder als „minderwertig“ empfundenen Personen abwertend-aggressiv.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 13

BIPoC steht für Black (deutsch: Schwarze), Indigenous (deutsch: Indigene), People of Color. PoC für People of Color und ist eine analytische und politische Selbstbezeichnung. Der jeweilige Begriff gibt Menschen mit Rassismuserfahrungen eine Community (deutsch: Gemeinschaft) und Raum für Aktivismus, Schutz und Empowerment. Gleichzeitig macht er die Vielfältigkeit von Rassismuserfahrungen unterschiedlicher Menschen sichtbar und ermöglicht solidarische Bündnisse über die Grenzen marginalisierter Communitys hinweg.

Diese Definition wurde 2022 im Projekt DisKursLab. Labor für antisemitismus- und rassismuskritische Bildung & Praxis der Evangelischen Akademie zu Berlin erarbeitet.

Chauvinismus bezeichnet die Überzeugung, einer Gruppe anzugehören, die anderen überlegen ist. Der Begriff stammt aus dem Französischen und beschreibt ursprünglich einen Nationalchauvinismus, also den Glauben an die Überlegenheit der eigenen Nation. Andere Staaten oder ethnische Gruppen werden als nicht ebenbürtig angesehen, etwa in Bildung, Leistungsfähigkeit, Moral oder Religion. Dies äußert sich häufig in regelrechtem Hass oder Verachtung. Nationalchauvinismus erwächst oft aus einem geringen Selbstwertgefühl.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 17

Ethnopluralismus ist ein Theoriekonzept, das von der sogenannten „Neuen Rechten“ geprägt wurde, einer intellektuellen Strömung des aktuellen Rechtsextremismus. Das Wort bedeutet wörtlich übersetzt „Völkervielfalt“. Wie traditionelle Rassisten behaupten auch Ethnopluralisten, Menschen bzw. Menschengruppen hätten unveränderliche Eigenschaften – und jede Gruppe sei umso besser,
je ähnlicher sich ihre jeweiligen Angehörigen sind.
Dabei vermeiden Ethnopluralisten aber biologistische Argumentationen, gleiche Gene werden
nicht mehr offen gefordert. Stattdessen behaupten sie, Völker besäßen unveränderliche kulturelle Identitäten, die vor fremden Einflüssen zu schützen seien. Auch der Ethnopluralismus ist also eine aus- grenzende Ideologie, propagiert allerdings nicht mehr ausdrücklich die eigene Höherwertigkeit. Stattdessen betont er lediglich, jede Ethnie solle getrennt von anderen bleiben (eine typische Parole wäre: „Deutschland den Deutschen, die Türkei den Türken!“). Im Ergebnis kann damit aber genauso wie mit biologistischem Rassismus Gewalt etwa gegen Migranten gerechtfertigt werden.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 15

Faschismus war ursprünglich die Eigenbezeichnung einer rechtsextremen Bewegung unter Benito Mussolini im Italien der 1920er bis 40er Jahre. Später wurde er zum Oberbegriff für nationalistische und anti-liberale Regime, die nach dem Ersten Weltkrieg in ganz Europa entstanden. In dieser Tradition werden noch heute viele rechtsextreme Ideologien oder Bewegungen pauschal als „faschistisch“ bezeichnet.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 19

Der Begriff (abgekürzt GMF) wurde von Wissenschaftlern der Universität Bielefeld geprägt, die Feindseligkeiten in der deutschen Gesellschaft gegenüber bestimmten Personengruppen, in der Regel Minderheiten, untersucht haben. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Menschen mit extrem rechten Einstellungen nicht nur einzelne Menschengruppen abwerten, sondern häufig gleich mehrere. Der Kern des Denkens, so die Bielefelder Forscher, sei deshalb eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit“. Auf der Basis ihrer seit 2002 regelmäßig stattgefundenen Umfragen identifizierten sie Elemente „Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“:

Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Sexismus, die Abwertung von Sinti
und Roma sowie asylsuchender, homosexueller, transgeschlechtlicher, behinderter, wohnungsloser oder langzeitarbeitsloser Menschen und die Demonstration von Etabliertenvorrechten gegenüber Neuankömmlingen.
All diese „anderen“ Menschengruppen werden von rechtsextrem Denkenden als niederwertig angesehen.

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchungen war, dass in Zeiten ökonomischer Krisen eine gesellschaftliche Entsolidarisierung stattfindet und in einem Zustand einer (gefühlten) Bedrohung die Zahl jener Personen steigt, die die Gleichwertigkeit von Menschen und Gruppen in Frage stellten.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 13

Homosexuellenfeindlichkeit ist die Abwertung und Ablehnung nicht-heterosexueller Menschen, also von Menschen, deren sexuelle Orientierung von klassischen Mann-Frau-Beziehungen abweicht.

Sie werden als „unnormal“ abgewertet. Häufiges Ziel von Homosexuellenfeindlichkeit sind männliche Homosexuelle, weshalb der Begriff zuweilen vereinfachend als Schwulenfeindlichkeit übersetzt wird. Homosexuellenfeindlichkeit äußert sich in zahlreichen Formen: in offener oder verdeckter Ablehnung, in diskriminierenden Handlungen bis hin zu gewalttätigen Angriffen und Morden oder auch in der Behauptung, Homosexualität sei eine psychische Erkrankung und könne bzw. müsse therapiert werden

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 15

Dieser Begriff bezeichnet den kritischen Blick auf Weißsein von Menschen als soziale Kategorie. Im Gegensatz zu anderen Rassismusanalysen, die Schwarze Menschen und People of Color als „Opfer“ im Blick haben, werden die Auswirkungen von Rassismus auf die Sozialisation weiß positionierter Menschen betrachtet.

Auch wenn klar ist, dass es keine „Rassen“ gibt, sind rassifizierte Kategorisierungen eine soziale Realität. Während Schwarze Menschen strukturell ethnisiert und als anders markiert werden, wird der Gegenentwurf, der diese rassistischen Konstruktionen erst möglich macht – das Weißsein – strukturell ausgeblendet und mit ihm alle Privilegien und Ungleichheiten, die damit einhergehen. Bspw. finden sich schon im Kindesalter weiße Menschen selbstverständlich in Büchern, Filmen und Liedern repräsentiert, während Schwarze Menschen kaum als selbstverständlich Anwesende auftauchen.

Dadurch bleibt Weißsein Norm und Normalität, und es gelingt nicht, die rassistischen Machtstrukturen zu erkennen und zu hinterfragen. Von Schwarzen Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen in den USA und später in Europa erkämpft, hat sich diese Sichtweise auch im wissenschaftlichen Kontext etabliert: Die Critical Whiteness Studies (Kritische Weißseins- forschung) sind inzwischen auch an deutschen Universitäten vertreten und bilden mit ihrer Perspektive bspw. einen integralen Bestandteil der Migrationspädagogik.

Diese Definition wurde 2022 im Projekt DisKursLab. Labor für antisemitismus- und rassismuskritische Bildung & Praxis der Evangelischen Akademie zu Berlin erarbeitet.

Neonazismus (Kurzform von: Neo-Nationalsozialismus) ist eine rechtsextreme Strömung, die sich zur Ideologie des Nationalsozialismus bekennt und die (Wieder-)Errichtung eines autoritären Führerstaats nach dem Vorbild des „Dritten Reiches“ anstrebt. Anhänger des Neonazismus werden Neonazis genannt.

Der Begriff Neonazismus wird etwa seit Ende der 1970er Jahre verwendet, um jüngere Anhänger des Nationalsozialismus von Personen abzugrenzen, die bereits während der Nazi-Zeit dieser Ideologie anhingen (diese werden umgangssprachlich „Alt-Nazis“ genannt). Die Gewaltbereitschaft unter Neonazis ist erheblich. In den 1990er Jahren wurden zahlreiche neonazistische Organisationen verboten, die Szene reagierte darauf mit weitreichenden Umstrukturierungen: Lose strukturierte Kleingruppen, sogenannte „Kameradschaften“, bestimmen seither ihr Erscheinungsbild. Ein relativ neues Phänomen sind die sogenannten Autonomen Nationalisten, die ein modernes Äußeres und die Übernahme linksautonomer Symbolik mit einer stark rückwärtsgewandten rechtsextremen Ideologie verknüpfen.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 17

Rassismus teilt Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen oder realen Herkunft, Hautfarbe oder ethnischen Zugehörigkeit in verschiedene Gruppen ein und weist diesen unveränderliche, meist negative Eigenschaften oder Verhaltensweisen zu.
Ihre eigene Gruppe sehen Rassisten in der Regel als natürlich überlegen an und leiten daraus das Recht zur Benachteiligung anderer ab. Diskriminierungen bis hin zu Gewalt werden so gerechtfertigt. Bereits
im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Europa ein biologistischer Rassismus. Grundlage war die Konstruktion einer Rassentheorie, die Menschen in unterschiedliche „Rassen“ einteilte. Sie diente unter anderem dazu, die europäische Kolonialpolitik zu rechtfertigen. Die Idee, es gebe tatsächlich Menschen“rassen“, ist längst wissenschaftlich widerlegt.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 13

Strategie, die autoritäre Vorstellungen vertritt und verbreitete rassistische Vorurteile ausnutzt und verstärkt. Als Kern von Populismus gilt eine demagogische Argumentation, die „das einfache Volk“ gegen „die da oben“ stellt. Als Feind können Regierungsapparate, Konzerne oder auch Medien dienen. Solche Argumente sind sowohl von links als auch von rechts denkbar. Rechtspopulisten aber grenzen die „Wir-Gruppe“ nicht nur nach oben, sondern auch strikt nach außen ab, beispielsweise gegen andere ethnische oder religiöse Gruppen (in Deutschland meist gegen Muslime).

Soziale Missstände oder Kriminalität versuchen sie durch rassische oder kulturelle Besonderheiten zu erklären. Rechtspopulismus ist eher eine politische Strategie als eine geschlossene Ideologie. Er zeichnet sich oft aus durch inszenierte Tabubrüche, das Einfordern radikaler Lösungen und den Hang zu Verschwörungstheorien. Rechtspopulisten vertreten autoritäre Politikkonzepte und fordern häufig „mehr Härte“, etwa gegen Straftäter und Drogenabhängige, oder schüren Ängste vor einer „Überfremdung“ durch Migranten. Um sich vom Rechtsextremismus abzugrenzen, betonen Rechtspopulisten gern ihre Verfassungstreue – doch stellen auch sie in ihrer Agitation Grundwerte wie Menschenwürde, Gleichheit, Minderheitenschutz, Diskriminierungsverbot usw. in Frage.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 19

Sexismus bezeichnet die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Betroffen sind insbesondere Frauen, die eine angeblich biologisch vorbestimmte Rolle in der Gesellschaft zugewiesen bekommen und als den Männern unterlegen angesehen werden. Sexismus ist also eine Ideologie der Ungleichwertigkeit. Sie hat viele Erscheinungsformen und reicht von schwerer Gewalt (z.B. Vergewaltigung) bis zu alltäglichen Erscheinungen, etwa frauenfeindlichen HipHop-Texten. Sexismus zeigt sich auch in tief verwurzelten Denkmustern über Frauen und Männer, über die angebliche Stärke des jeweiligen Geschlechts, vermeintlich typische Berufe oder Verhaltensweisen.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 15

Sozialdarwinismus ist die Idee, das Recht des Stärkeren müsse auch das menschliche Zusammenleben bestimmen. Ihre Anhänger übertragen Elemente der Evolutionstheorie von Charles Darwin aus der Tierwelt auf die menschliche Gesellschaft. Sozialdarwinisten vertreten beispielsweise die Ansicht, Schwache seien weniger wert als Starke und Behinderte oder chronisch Kranke eine Last für die Allgemeinheit.
Solidarität wird von ihnen als hinderlich empfunden, Gleichberechtigung als „wider die Natur“. Im Nationalsozialismus waren sozialdarwinistische Ideen zentral, begründet wurde mit ihnen zum Beispiel das Aussondern angeblich minderwertiger Menschen und die systematische Ermordung Zehntausender geistig oder körperlich Behinderter.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 17

Dieser Begriff bezeichnet eine radikal-nationalistische Einstellung, die die Menschengruppe, zu der man sich zugehörig fühlt (das eigene „Volk“), verabsolutiert und als (ethnisch) reine Gemeinschaft definiert.

Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlangte die Völkische Bewegung großen politischen Einfluss. Ihr Ziel war eine ethnisch und kulturell homogene Nation, aus der vermeintlich „undeutsche“ Fremdkörper auszuscheiden seien. Als solche sahen die Völkischen einerseits – ihrer Rassenideologie folgend – zum Beispiel Juden und Slawen, andererseits auch Behinderte (siehe Sozialdarwinismus) oder Andersdenkende, etwa Sozialdemokraten und Kommunisten. Zentral für die Völkische Bewegung war zudem die Idee einer „arteigenen“ Religion. Die Bewegung war nicht nur antisemitisch, sondern auch antiegalitär und generell antimodernistisch. Sie lehnte Frauenemanzipation und Demokratie ebenso ab wie Parlamentarismus oder moderne Kunst. Stattdessen propagierte sie die Rückkehr zu vermeintlichen, idealisierten deutschen oder germanischen Ur-Zuständen. Die Völkischen waren ein Wegbereiter des Nationalsozialismus und sind bis heute eine wichtige Strömung des Rechtsextremismus.

Vgl.
„Miteinander gegen Hass, Diskriminierung und Ausgrenzung“, Eine Handreichung der Wohlfahrtsverbände zum Umgang mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus 2017, S. 15

„Eine Reihe von Vorteilen, von denen weiße Menschen täglich profitieren. Weiße Privilegien existieren jenseits des bewussten Wissens der Weißen über ihre Präsenz und helfen Hierarchien aufrechtzuerhalten“. (Prof. Arlene Avakian, 2003) Ein Begriff für die Art und Weise, wie weißen Menschen und Institutionen über das übliche Maß hinaus Privilegien zugutekommen, die People of Colour (PoC) mit gleichen sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Umständen vorenthalten bleiben. Das Privileg der Weißen ist nicht etwas, das Weiße notwendigerweise tun, schaffen oder absichtlich genießen. Es bezieht sich eher auf das Phänomen, dass Weiß-Sein, oft auch über den hiesigen Kontext hinaus, als Norm gilt.

Der Begriff „Weiße Privilegien“…

  • soll nicht die persönlichen Leistungen weißer Menschen schmälern.
  • bedeutet nicht, dass man sich dafür schämen sollte, weiß geboren zu sein.
  • bedeutet, die sich daraus ergebenden realen Nöte und Herausforderungen zu verringern,
    um reale Chancengleichheit zu ermöglichen.

Diese Definition wurde 2022 im Projekt DisKursLab. Labor für antisemitismus- und rassismuskritische Bildung & Praxis der Evangelischen Akademie zu Berlin erarbeitet.